Herzlich Willkommen

auf der Homepage von Michael Wöbke


Morbus Bechterew ist eine chronische entzündlich-rheumatische Erkrankung vorrangig der Wirbelsäule. Der lateinische Begriff "Morbus" bedeutet Krankheit. In diesem Falle ist die Erkrankung nach dem russischen Neurologen Wladimir Bechterew (1857-1927) benannt, der die Erkrankung zwar nicht als Erster beschrieben, aber um 1890 eine im deutschsprachigen Raum vielbeachtete Charakteristik veröffentlicht hatte.

In der medizinischen Fachsprache heißt die Erkrankung "Spondylitis ankylosans" (versteifende Wirbelentzündung) oder "ankylosierende Spondylitis" (im Englischen "ankylosing spondylitis", abgekürzt "AS"). Beim Morbus Bechterew betrifft die rheumatische Entzündung überwiegend die Wirbelsäule und das Kreuzbein-Darmbeingelenk. Bleibt die Erkrankung unbehandelt, so können die verknöchernden Umbauvorgänge zu einer völligen Versteifung der Wirbelsäule und des Beckens führen. Neben der Wirbelsäule können auch Gliedmaßengelenke sowie innere Organe von den entzündlichen Veränderungen betroffen sein.

Häufigkeit

Schätzungsweise 1% der mitteleuropäischen Bevölkerung erkrankt an einem Morbus Bechterew, allerdings wird die Krankheit nicht bei allen Betroffenen erkannt. Nach der bisher geltenden Lehrmeinung sind Männer etwa dreimal häufiger betroffen als Frauen. Laut einer Umfrage der "Deutschen Vereinigung Morbus Bechterew" erkranken Frauen jedoch nahezu gleich häufig, allerdings versteift bei Frauen die Wirbelsäule in der Regel langsamer als bei Männern.

Die Diagnosestellung ist oft schwierig

In der Regel vergehen bis zur sicheren Diagnosestellung einer Spondylitis ankylosans durchschnittlich sechs Jahre. Das liegt daran, dass die Beschwerden im Frühstadium oft noch uncharakteristisch sind und eine Entzündung des Kreuzbein-Darmbeingelenks im Röntgenbild erst nach längerem Verlauf möglich wird. Die typischen Symptome (tiefsitzende Kreuzschmerzen und Steifigkeit über 3 Monate, LWS-Bewegungseinschränkungen, verminderte Atembreite) führen zusammen mit dem röntgenologischen Nachweis der Gelenkentzündung zur Diagnose.

Behandlungsmöglichkeiten beim Morbus Bechterew

Bei Patienten mit Morbus Bechterew findet sich zu 95% ein bestimmter genetischer Marker, das so genannte HLA-B27. Allerdings ist dieses Merkmal nicht beweisend für eine Diagnose, weil nur 2-5% der HLA-B27-positiven Bevölkerung an einer ankylosierenden Spondylitis erkranken. Laboruntersuchungen spielen für die Erkennung der Erkrankung eher eine untergeordnete Rolle. Eine erhöhte Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG) und ein erhöhtes C-reaktives Protein (CRP) finden sich nur bei 50-70% der betroffenen Patienten. Der so genannte Rheumafaktor (RF) im Blut ist bei Morbus Bechterew generell nicht nachweisbar, weshalb das Krankheitsbild auch zu den seronegativen Spondylarthropathien gehört (seronegativ = kein Nachweis von Rheumafaktor im Serum).

Der Verlauf der Erkrankung ist sehr unterschiedlich. Es gibt leichte Verläufe mit unterschiedlich langen beschwerdearmen Phasen ohne wesentliche funktionelle Beeinträchtigungen. Bei 80% der Bechterew-Patienten bleibt die Arbeitsfähigkeit über Jahrzehnte hinweg erhalten. Auch nach langen Verläufen kann die Krankheit zum Stillstand kommen. Nur bei sehr wenigen Patienten (5%) gestaltet sich der Krankheitsverlauf so schwierig, dass trotz optimaler Behandlung eine komplette Versteifung der Wirbelsäule bereits nach 10 Jahren nicht zu verhindern ist.

Eine Heilung der Spondylitis ankylosans ist derzeit nicht möglich. Deshalb zielt eine optimale Behandlung darauf ab, Schmerzen zu lindern, die Gelenkentzündung zu hemmen, die Bewegungsfähigkeit sowie die Arbeitsfähigkeit zu erhalten und die Lebensqualität des Betroffenen zu sichern. Neben der medikamentösen Therapie kommen der Krankengymnastik sowie begleitenden Kälte- und Wärmeanwendungen ein entscheidender Stellenwert zu.

Zur Schmerzlinderung und Entzündungshemmung werden bevorzugt Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) eingesetzt. Glukokortikoide (kortisonhaltige Medikamente) kommen bei M. Bechterew nur in Ausnahmefällen zur Anwendung: als so genannte Stoßtherapie in Phasen hoher Krankheitsaktivität mit starken Beschwerden (dann wird das Medikament eingenommen oder gespritzt) sowie zur gezielten Behandlung von Gelenk- oder Sehnenansatz-/Schleimbeutelentzündungen (dann wird eine Spritze direkt in die betroffene Region gegeben).

Sind von der Erkrankung auch wirbelsäulenferne Gelenke betroffen, so kann das langwirksame Antirheumatikum Sulfasalazin zum Einsatz kommen. Anders als bei der Behandlung der Wirbelsäulenbeschwerden gibt es bei dieser Form der Gelenkbeteiligung einen positiven Wirkungsnachweis für dieses Medikament.

Patienten, die seit mindestens einem halben Jahr erkrankt sind und bei denen mindestens zwei NSAR nicht den gewünschten Erfolg gebracht haben, können mit einem Medikament aus der Gruppe der TNF-alpha-Blocker behandelt werden. Diese so genannten Biologics hemmen auf eine den körpereignen Vorgängen nachempfundene Art und Weise den Zellbotenstoff TNF-alpha (Tumornekrosefaktor-alpha), der eine entscheidende Rolle im Entzündungsprozess spielt. Ihre gute Wirksamkeit ist inzwischen hinreichend belegt, allerdings sind auch hier Einschränkungen in der Anwendungen zu beachten (z.B. bei Infektionen).

 
Autor: Springer Medizin
Stand: 24.04.2009

 

powered by Beepworld